C/sells – Großflächiges Schaufenster im Solarbogen Süddeutschland

Die Energiewende in Deutschland bringt langfristig einen Wandel von zentraler zu dezentraler Stromerzeugung mit sich, wobei besonders die Volatilität der Photovoltaik- und Windenergieanlagen eine große Herausforderung für den zuverlässigen Betrieb der Netze darstellt. Zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit/-qualität und Schwarzstartfähigkeit wird deshalb ein immer größerer Anteil regenerativer Erzeugungsanlagen installiert. Folglich werden auch die zeit- und ortsabhängigen Schwankungen der eingespeisten Leistung immer größer und müssen durch Lastflüsse sowohl horizontal innerhalb einzelner Spannungsebenen als auch vertikal zwischen Verteilungs- und Übertragungsnetzen ausgeglichen werden.

Im Rahmen des Förderprogrammes „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird der Ausbau intelligenter Stromnetze hinsichtlich der zukünftigen Energieversorgung untersucht. C/sells stellt hierbei in einer von fünf Schaufensterregionen einen „Ost-West-Sonnenbogen der Flexibilitäten“ in den drei südlichen Bundesländern mit großem Anteil an installierten PV-Anlagen, von Bayern über Hessen nach Baden-Württemberg, dar. Ziel des Projektes ist neben der in Abbildung 1 angedeuteten Kommunikation innerhalb autonomer Zellen und im überregionalen Verbundnetz („Cells“) auch die Kombination von technischen Notwendigkeiten mit marktseitigen Möglichkeiten („sells“). Nach erfolgreicher Umsetzung soll das Vorgehen als Blaupause für Erweiterungen auf europäischer Ebene dienen, um einen Beitrag für eine Weiterführung der Energiewende außerhalb Deutschlands zu leisten.

Abbildung 1: Schematische Darstellung des zellulären Aufbaus von C/sells

Die OTH Regensburg entwickelt in einer ostbayerischen Demonstrationszelle ein Verfahren zur Bestimmung des optimalen netzdienlichen Verhaltens von Verbrauchsanlagen. Im Vordergrund steht sowohl die Demonstration der Praxistauglichkeit, d. h. technische und organisatorische Möglichkeiten sollen festgelegt und nach einer einfachen und robusten Methodik ausgewählt werden, als auch die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu anderen Netzausbaumaßnahmen. Hierzu werden in Zusammenarbeit mit der Bayernwerk AG, der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), den Kreiswerken Cham, der Stadtwerke Cham GmbH ,den Stadtwerken Waldmünchen und der Consolinno Energy GmbH Netzmodelle simuliert und ausgewertet, Betriebskonzepte für Pumpwerke und Power-to-Heat-Anlagen erstellt und der Einsatz von Smart Metern aus Sicht der Netzplanung bewertet. Nach einer simulatorischen und praktischen Erprobung werden letztlich Handlungsempfehlungen abgeleitet, die eine geeignete Tarifierung als Anreizsystem abbilden und ein Gesamtoptimum für alle beteiligten Akteure anstreben. Der Abgleich der Ergebnisse geschieht im Austausch mit anderen bayerischen Zellen, um z. B. Effekte zwischen ländlichen und städtischen Regionen erkennen oder die Kombination der Sektoren Wärme und Strom optimieren zu können.

Eckdaten des Projektes:

  • Laufzeit: 01/2017 – 12/2020
  • Projektvolumen: ca. 100 Mio. Euro
  • Volumen OTH: 565 Tsd. Euro
  • Partner: 45 Vollpartner, 15 assoziierte Partner (Verteilnetz-/Übertragungsnetzbetreiber, Stadtwerke, Gerätehersteller, Kommunen, Dienstleistungsunternehmen, Universitäten/Hochschulen, Forschungsinstitute, … )
  • Gebiet: ca. 30 Mio. Einwohner in 2.600 Gemeinden